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Mal ehrlich: Die Geräte der Familie regelmäßig zu sichern, ist etwas, das viele von uns in der IT eigentlich machen wollen – es dann aber oft doch nicht tun. Zwischen komplizierten Cloud-Lösungen, Datenschutzbedenken und der allgemeinen „Never touch a running system“-Mentalität schiebt man das leicht vor sich her.
Irgendwann habe ich mich endlich aufgerafft und für den PC meiner Mutter eine einfache, zuverlässige und komplett automatisierte Backup-Lösung gebaut. Da sie in einer anderen Stadt wohnt, waren Fernzugriff und Automatisierung von Anfang an Pflicht. Die Anforderungen waren klar:
✅ Vollautomatisch
- ✅ Keine Abhängigkeit von Cloud-Diensten
✅ Aus der Ferne, aber unter meiner Kontrolle
✅ Sicher und einfach für die Endanwenderin (meine Mama) 😊
✅ Ermöglicht sichere Dateiübertragung über das unsichere öffentliche Internet
Meine Lösung basiert auf WireGuard, Robocopy und ein bisschen Windows-Automatisierungsmagie. Nichts Ausgefallenes, aber effizient, sicher und es funktioniert einfach.
Ein VPN-Tunnel ist ein sicherer, verschlüsselter Kanal über das öffentliche Internet, durch den sich entfernte Geräte so verhalten, als wären sie im selben LAN. WireGuard ist ein modernes VPN-Protokoll samt Software, mit dem sich solche Tunnel effizient und überraschend unkompliziert einrichten lassen.
Unsere beiden Internetanschlüsse haben dynamische IP-Adressen. Da ich auf meinem Router aber ein MyFRITZ!-Konto eingerichtet habe (das wie ein DynDNS-Dienst funktioniert), ist mein Heimnetz über einen festen Hostnamen erreichbar.
(Hinweis: Die Screenshots sind auf Deutsch – genau wie die Oberfläche auf Mamas PC, logisch 😅.)
Schritt 1: WireGuard einrichten
Zuerst habe ich auf meiner Fritz!Box einen WireGuard-VPN-Endpunkt konfiguriert. Falls du noch nie eine Fritz!Box benutzt hast: Sie ist quasi das Schweizer Taschenmesser unter den deutschen Heimroutern – und ja, inzwischen kann sie WireGuard tatsächlich nativ.
Bei der Einrichtung bekommst du eine Konfigurationsdatei, die du in den WireGuard-Client auf dem entfernten Rechner importierst – in diesem Fall auf Mamas Windows-PC.

Ist das erledigt, startet der VPN-Tunnel automatisch mit Windows – sie muss also nichts anklicken und sich nichts merken. Sobald der PC hochfährt, verbindet er sich sicher mit meinem Heimnetz.
Steht die Verbindung, sehe ich ihren Client in meiner Router-Oberfläche. Sie bekommt eine IP aus meinem LAN – als säße sie im Zimmer nebenan, obwohl sie tatsächlich mehrere Ortschaften weiter wohnt.

Schritt 2: Ein Netzlaufwerk verbinden
Mit dem Tunnel im Rücken habe ich auf ihrem Windows-Rechner eine einfache SMB-Freigabe als Netzlaufwerk verbunden, die auch Neustarts überlebt.
Diese Freigabe zeigt auf einen Ordner auf meinem Heimserver, der – Achtung, Klischee – im Keller wohnt.

Damit hat ihr PC direkten Zugriff auf meinen Speicher, über eine verschlüsselte Verbindung.
Keine Cloud-Sync-Clients, keine Weboberflächen, keine Drittanbieter als Zwischenhändler.
Einfach sauberes, altmodisches File-Sharing. Manchmal gewinnen eben die Klassiker.
Schritt 3: Backups mit Robocopy
Für die eigentliche Synchronisation habe ich ein simples Batch-Skript geschrieben, das ein paar Robocopy-Befehle ausführt.
Robocopy ist seit Ewigkeiten Teil von Windows – und auch wenn es weder eine schicke GUI noch eine Werbekampagne hat, ist es extrem gut in dem, was es tut. Ich nutze den Schalter /MIR (für „mirror“), der das Zielverzeichnis auf meinem Server perfekt synchron mit ihrem Quellordner hält.
- Beim ersten Lauf: Es wird alles kopiert.
- Bei späteren Läufen: Nur geänderte Dateien werden kopiert.
- Gelöschte Dateien? Verschwinden auch aus dem Spiegel.
- Unerwartete Unterbrechungen? Robocopy macht genau da weiter, wo es aufgehört hat.
Leichtgewichtig, robust und ohne zusätzliche Software. Was will man mehr?

Schritt 4: Alles automatisieren
Damit die Synchronisation läuft, ohne dass jemand daran denken muss (schon gar nicht meine Mama), habe ich das Batch-Skript in einen Ordner gelegt, der sich wie der klassische Windows-„Autostart“-Ordner verhält.

Das Ergebnis: Bei jeder Anmeldung läuft das Skript still im Hintergrund. Keine Pop-ups, keine Rückfragen und keine verpassten Backups.
Sie hat keine Ahnung, dass das passiert. Und genau darum geht’s.

Warum das funktioniert (und warum ich dem vertraue)
Dieses Setup bietet mir:
- Ein lokales, immer aktuelles Backup ihrer Daten
- Volle Kontrolle darüber, wo diese Daten liegen
- Einen komplett automatisierten Ablauf, der nicht vom Verhalten der Nutzerin abhängt
- Eine Lösung, die privat, sicher und cloudfrei ist
Und, ganz wichtig:
❌ Keine Cloud-Plattformen mit fragwürdigen Datenschutzrichtlinien und unklarem Speicherort der Daten
✅ 100 % unter meiner Kontrolle, von Ende zu Ende
Klar, das ist keine Ein-Klick-Backup-Suite mit Dashboards und Analysen. Dafür geht es aber auch nicht kaputt, wenn bei Dropbox mal wieder jemand beschließt, die Ordnerstruktur umzubauen.
Fazit
Mit diesem Ansatz gewinnt man keinen Innovationspreis – und das muss man auch nicht.
Er löst ein echtes Problem auf eine klare, wartbare und benutzersichere Art.
Wenn du Grundkenntnisse in Netzwerken und Skripting hast und bei privaten Backups nicht von der Cloud abhängig sein willst, ist das vielleicht genau das Setup, das du suchst.
Und wenn du wie ich der „IT-Mensch“ der Familie bist, tja … vielleicht wird es Zeit, dass auch deine Eltern in deinem LAN wohnen
Falls etwas fehlt oder du zu einem Detail eine Frage hast, sag einfach Bescheid!






